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Ich bin mit Leib und Seele freie Rednerin, aber damit hätte ich nicht gerechnet...



Darum wurde ich Rednerin


Ich wurde freie Rednerin, weil ich Menschen unvergessliche Zeremonien schenken will. Weil ich seit der Beerdigung meiner Oma weiß, wie wichtig Worte sind. Worte erzeugen Gefühle und Gefühle bleiben.


Glückliche Menschen mit einer Rede happy zu machen - das ist die leichte Disziplin. Die Freude über das Kind oder die Liebe zweier Menschen in die Welt zu tragen – unbeschreiblich!


Aber trauernde Menschen aus der Trauerhalle mit einem guten, dankbaren Gefühl gehen zu lassen, das ist schon schwieriger. Aber genau das ist mir wichtig: den Menschen ein gutes, dankbares Gefühl ohne Trauerkloß im Hals mit nach Hause zu geben.


Jedes Vorgespräch ist spannend.


Spannend ist immer das, was man bei und mit trauernden Angehörigen erlebt. Und das ist auch komplett in Ordnung, denn die Menschen befinden sich in einer emotionalen Ausnahmesituation!


In dieser Situation muss ich der Anker sein. Ich muss den Angehörigen Halt geben und mich mit dem nötigen Herz in die Lage einfühlen.


Eine Rede kann ja nur gut werden, wenn ich genügend Infos bekomme. Also ist es meine Aufgabe, die Lebensschätze zu finden und die richtigen Fragen zu stellen.


Was erlebt man, wenn man zu Angehörigen geht?


In 90 % der Fälle eigentlich nichts Besonderes. Ich freue mich über ein angebotenes Getränk und manchmal steht auch ein kleiner Snack bereit. Das ist überhaupt nicht nötig, aber ich freue mich trotzdem darüber.


Aber die restlichen 10 % haben es in sich.


Aus dem Alltag einer Rednerin - Kleine Anekdoten zum Schmunzeln.


  1. Ich werde mit einem großen Bellen begrüßt. Ein Hund rennt auf mich zu und schon hat er seine Pfoten auf meinen Schultern. „Sie haben doch keine Angst vor Hunden, oder?“ Ich so: „Nein.“ Ist ja nochmal gut gegangen.

  2. Mir wurde vergessen zu sagen, dass es Katzen im Haus gibt. Ich sitze auf einem dunkelblauen Kissen, das weiß ist. Wegen der vielen Katzenhaare, die darauf sind. Die Katzen finden meine Ledermappe toll und schnurren um meine Hand. Eigentlich total süß, aber: Alles juckt – Meine Katzenallergie bricht aus. Ich kratze mich während ich nach Hause fahre. Zu Hause steht mein Mann schon in der Tür und hält mir den Sauger hin, damit ich das Auto und mich von den Haaren befreien kann. Mein Learning: Pack Allergietabletten ein!

  3. Die Tür wird geöffnet (der Angehörigen wurde eine alte Visitenkarte gegeben – da bin ich noch mit roten Haaren drauf). Mir schallt es entgegen: „Frau Haase, Sie sind ja blond! Mein Mann mochte doch Brünette!.“ Ich: „Ich kann auch eine Perücke aufsetzen. Oder aber Sie lassen mich rein oder ich fahre wieder nach Hause.“ Spoiler: Ich durfte rein.

  4. Mir wird geöffnet. Es stinkt. Katzenkotze überall. Unterlagen kreuz und quer. Die arme Katze der Verstorbenen war Tage allein. Ich streiche die angekrustete Katzenkotze vom Stuhl, bevor ich mich setze und bin froh überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen.

  5. Mir wird Multivitamin-Limo aus bereits benutzten Gläsern angeboten.

  6. Ich klingle. Die Freisprechanlage tönt: „Bitte?“ Ich: „Guten Tag, hier ist Isabell Haase.“ Wieder die Freisprechanlage: „Wer ist da?“ Ich: “Isabell Haase, Ihre Rednerin.“ …Pause… Ich werde eingelassen. Aber mich beschleicht das Gefühl: Ich wurde vergessen. Die Wohnungstür wird geöffnet. Die Dame ist zur Hälfte angezogen. Eine Hose warf sie sich für mich aber nicht mehr über.

  7. 50 cm neben mir wird eine Kippe nach der anderen geraucht. Nach dem Gespräch rieche ich dermaßen streng, dass ich mich so nicht zum nächsten Gespräch traue. Ich gehe also shoppen. Um dann festzustellen, dass es im nächsten Gespräch wohl auch einen Raucher im Haus gibt, denn ich rieche kalten Rauch. … Aber meine neue Hose ist echt schick.

  8. In Zeiten von Corona: Ich werde nicht ins Haus gelassen, weil das der Sohn nicht will. Ein Garagencontainer mit Rolltor wird geöffnet. Neonlicht. In der Mitte des Raumes stehen ein Campingtisch und ein Plastikstuhl für mich. „Frau Haase, da können Sie Platz nehmen.“ Ich fühle mich ein klein wenig wie bei CSI, wo ich verhört werde. Dabei bin doch ich die, die die Fragen stellt…

  9. Mir wird schon am Telefon gesagt: „Ziehen Sie die Gummistiefel an, bei uns vorm Haus ist Baustelle.“ … vergesse ich natürlich. Ich werde begrüßt mit einem Schmunzeln: „Sie haben ja gar keine Gummistiefel an…“

Vielleicht habt ihr ja auch mal gelächelt. Dann schreibt mir gern.


Ich möchte keine dieser Begegnungen missen! Denn hinter jeder Begegnung stecken einzigartige Menschen und ihre Geschichten.


Eure Isabell





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